Super XXXL
Super XXXL
Als ich heute bei wunderschönem „bluebird” in Wiesbaden im Park lag, mir die Sonne auf den Pelz braten ließ und in der FAZ rumblätterte, stieß ich auf einen Artikel von Andreas Lesti „Super XXXL” Tourismus- Superlativ. Hier ein Auszug:
Der Tourismus- Superlativ zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er keiner ist. Und dadurch, dass man ihn vor lauter Einschränkungen, die den touristischen Superlativ rechtfertigen, manchmal gar nicht mehr als solchen erkennt. Ein Tiroler Skigebiet bewirbt zum Beispiel die „längste baumfreie Nordabfahrt in den Westalpen”. Da muss man erst mal abholzen, um zu erkennen, dass es hier um „die längste Abfahrt der Alpen” geht. Weil es aber nicht die längste Abfahrt der Alpen ist, und auch nicht die längste Abfahrt der Westalpen, und auch nicht die längste Nordabfahrt der Westalpen, rechtfertigt sich dieser Superlativ erst über die vierte baumfreie Einschränkung.
Das Grundprinzip des Tourismus-Superlativs lautet: Man muss ihn so lange einschränken, bis die Kategorie so speziell, spezieller am speziellsten ist, dass es keine Gegner mehr gibt. Die Marketing Leute gehen also nicht vom Superlativ selber aus, sondern von der Konkurrenz, die sie durch – das muss man zugeben – beachtlich kreative Einschränkungen eliminieren. Der „größte landliegende Findling Deutschland” zum Beispiel landliegt in Brandenburg, der „zweithöchste freistehende Berg der Welt” erhebt sich im Iran, und „das größte, hölzerne, oberschlächtige Wassermühlenrad Europas” dreht sich in Calw. Der Bodensee ist „der drittgrößte See Mitteleuropas”, der Comer See „der drittgrößte Alpensee der Lombardei”, und in Linz lebt ein Mann, der „die größte private Sammlung indianischer Exponate Europas” hat. [...]
Und wenn die Gut-besser-am-besten-Logik der Tourismusbranche alle Stricke reißen, gibt es ja immer noch das Wörtchen „wahrscheinlich” zur Absicherung. „Die wahrscheinlich längste Rodelbahn der Welt” nehmen die österreichischen Orte Bramberg und Neukirchen für sich in Anspruch. Der „wahrscheinlich größte Barfuß-Park der Welt” befindet sich in Lienen und der „wahrscheinlich größte Baum der Welt” in der Nähe der Tempelanlage von Phimai in Thailand.
Andreas Lesti in FAZ 26.04.2009
Nach einer Hand voll Schmunzlern und nach in Kraft treten eines Arbeitsprozesses meiner Grauen Zellen (es ist schließlich Sonntag) fiel mir die beeindruckende Ähnlichkeit mit diesem Thema in meinem Berufszweig wie Schuppen von den Augen.
Auch in deutschen Hochseilgärten, Kletterparks, Waldseilgärten, Adventureparks oder wie auch immer man sie nennen will hält der super XXXL Trend Einzug. Und ehrlich gesagt bin ich von diesem längsten-höchsten-besten-schnellsten ziemlich genervt.
Ich beschloss also mich abends hinzusetzen und kurz einen Artikel für unseren Blog (übrigens mein erster aber auch bester und längster und …..) zu schreiben. Vorher hieß es aber recherchieren. Google macht s möglich. Schnell mal Begriffe wie Hochseilgarten, Flying Fox oder Seilrutsche eingetippt. Und da purzelten die Superlative nur schon so hervor.
„Einer der größten Naturhochseilklettergärten in Deutschland ist auf 17.000 qm in einen lebenden Baumbestand in direkter Lage neben dem Gasometer integriert.”
„5 Hektar Kletterwald – größteAnlage in NRW und RLP”
„Mit Deutschlands längster und aufregendster Seilrutsche”
„Deutschlands längste Seilrutsche macht Bad Wünnenberg zum rasantesten Kurort der Nation / An Stahlseilen hängend saust man mehr als 500 Meter weit”
„Besonderes Highlight ist eine ca. 70 Meter lange Seilrutsche über das Wasser, eine in Deutschland wohl einmalige Einrichtung.”
„Deutschlands und wahrscheinlich auch Europas größter und höchster Hochseilgarten gebaut werden”
Erstaunlich wie viele längste Seilbahnen es in Deutschland gibt. Und wenn man da nicht mithalten kann. Klar dann war man halt einer der Pioniere, der Erfinder und der Erste der so was überhaupt und überall auf der Welt hatte.
„Erster Nachtkletterpark Deutschlands”
„In Deutschlands erstem Kletterwald”
„Erster Hochseilgarten in Hamburg” heißt es von einer Internetseite am 07. 01.2009.
„Die Hanseaten können einen neuen Drahtseilakt wagen – und zwar auf dem Wasser: Im April 2009 öffnet in Hamburg der erste schwimmende Hochseilgarten seine Pforten”.
Dachten sich die Betreiber wohl „na wenn wir jetzt nicht der erste sind dann halt der erste auf dem Wasser.”Sagte ich bereits, dass maximal-outdoor wahrscheinlich den ersten Hochseilgarten auf dem Mond bauen wird. Na ja. Wie gesagt so langsam kann einem das ganz schön auf die Nerven gehen.Gibt es den wirklich nichts Wichtigeres mehr als andere zu übertreffen und besser zu sein. Qualität hat ja bekannter maßen nichts mit Quantität zu tun. Anstatt immer nur bei der Konkurrenz zu gucken, macht es vielleicht öfters mal Sinn über seine eigenen Stärken nachzudenken. Wir versuchen das jedenfalls. Ob uns dass gelingt? Man wird sehen.
Wer mehr kreative Anregungen für Werbezwecke sucht, sollte hier Fündig werden:
http://touristischesuperlative.de/
Ich geh jetzt jedenfalls erst mal einen ganz normalen schlichten Kaffee trinken.